Dreame L40 Ultra AE im Test: Warum Tester und Käufer sich völlig widersprechen
Die Tester nennen ihn einen Rückschritt. Die Käufer geben ihm einen Namen. Beim Dreame L40 Ultra AE haben beide Seiten recht — und der Grund dafür ist eine Entscheidung des Herstellers, die kaum jemand bemerkt.
Diese Einschätzung basiert auf der Auswertung von Testberichten und knapp dreitausend Kundenbewertungen. Das Gerät wurde nicht selbst über einen längeren Zeitraum genutzt.
Vier Verbesserungen — und ein weggelassenes Bauteil
Der Dreame ist die Sonderausgabe eines Saugroboters, den es auch als Standardmodell gibt. Auf dem Papier ist die Sonderausgabe die bessere: deutlich mehr Saugkraft, die Bürste gegen Haarwickel liegt direkt bei, die Station wäscht die Wischmopps mit heißerem Wasser, und flacher gebaut ist er auch. Vier Verbesserungen, aufgedruckt auf den Karton.
Was nicht auf dem Karton steht: dem Sondermodell fehlt die ausfahrbare Seitenbürste des Standardmodells. Eine Seitenbürste hat der Dreame durchaus — nur eben nicht den beweglichen Arm, der beim Saugen aktiv in die Ecke greift. Der Hersteller hat die Zahl auf der Packung größer gemacht und ein bewegliches Teil weggelassen.
Warum Tester und Käufer zu gegensätzlichen Urteilen kommen
Für die Fachtester ist das der Makel des Geräts. Sie vergleichen die Sonderausgabe mit dem Standardmodell, sehen ein fehlendes Bauteil und nennen es einen Rückschritt in der Produktreihe. Aus ihrer Sicht ist das sauber begründet.
Die Käufer sehen das völlig anders, und auch das ist nachvollziehbar. Sie vergleichen nicht mit dem Standardmodell, sondern mit dem Gerät, das vorher bei ihnen zu Hause stand. In den Bewertungen liest man von einem neuen Haushaltshelden, von jemandem, der nach zehn Jahren mit Saugrobotern sagt, dieser sei der beste bisher, von einer Familie, die dem Roboter einen Namen gegeben hat.
Wer aus einem Haushalt ohne Absaugstation kommt, dem fällt eine fehlende Seitenbürste schlicht nicht auf. Ihm fällt auf, dass der Boden sauber ist und er nichts dafür tun musste.
Der Durchschnitt aus fast dreitausend Bewertungen liegt bei vier von fünf Sternen. Das ist die ehrlichste Zahl zu diesem Gerät, denn sie ist weder geschönt noch vernichtend: die meisten sind zufrieden, und ein spürbarer Teil ist es nicht.
Was der Dreame wirklich gut kann
Die Saugleistung ist über jeden Zweifel erhaben. Grober Schmutz auf Hartboden, Tierfutter, Krümel, feiner Staub im Teppich — das ist kein Thema. Wer Haustiere hat oder lange Haare im Haushalt, profitiert zusätzlich von der beiliegenden Bürste, die Haare beim Aufsaugen zerschneidet, statt sie sich um die Walze wickeln zu lassen. Das ist die Arbeit, die man sonst alle zwei Wochen mit der Schere selbst erledigt.
Die Bauhöhe ist der zweite unterschätzte Punkt. Der Dreame ist flacher als die meisten Konkurrenten und flacher als das Standardmodell. Unter dem Sofa, unter dem Bett, unter der Kommode: dorthin, wo man selbst nur zweimal im Jahr kommt, fährt er täglich. Genau davon leben diese Geräte.
Und die Station nimmt einem den Rest ab. Sie saugt den Staubbehälter in einen großen Beutel leer, füllt Wasser nach, wäscht die Wischmopps mit heißem Wasser aus und trocknet sie anschließend mit Warmluft. Der Mopp selbst kann seitlich ausfahren, um an Kanten und um Möbelbeine herum zu wischen. Beim Wischen erreicht der Dreame die Ränder also durchaus — die Lücke liegt beim Saugen.
Die eigentliche Schwäche ist nicht die Hardware
Es ist die Software. Nutzer berichten von einem Fehler, durch den der Roboter in der App dauerhaft als offline angezeigt wird, obwohl er im Netzwerk hängt. Firmware-Aktualisierungen machen die Sache nicht immer besser: manche Nutzer beschreiben, dass der Roboter danach mitten in der Reinigung einfriert oder auf Teppich wischt, obwohl der Mopp angehoben sein sollte.
Auch die Navigation ist nicht die klügste am Markt. In den Bewertungen taucht das Wort „unlogisch“ auf, teilweise deutlicher. Der Dreame hält größeren Abstand zu Möbeln als nötig, meidet Bereiche unter bodentiefen Vorhängen, und mit Spiegeln und Glasflächen kommt er schlecht zurecht — er fährt dagegen oder erfindet dahinter Räume, die es nicht gibt. Die Teppicherkennung arbeitet unzuverlässig: Jute und Bambus werden oft gar nicht erkannt, unebene Fliesen dagegen manchmal fälschlich für Teppich gehalten.
Hartes Wasser: der Punkt, den man vorher wissen sollte
Die Station, so praktisch sie ist, hat ihre eigene Achillesferse. In Regionen mit hartem Wasser setzen Pumpen und Ventile mit der Zeit zu. Dann kommt kein heißes Wasser mehr, es gibt Fehlermeldungen, und in einzelnen Fällen berichten Nutzer von einer überlaufenden Station, die den kompletten Frischwassertank auf den Boden pumpt.
Wer in einer Hartwasser-Gegend wohnt, muss regelmäßig entkalken. Das ist kein Defekt, das ist Wartung — aber man sollte es vorher wissen. Dazu kommen vereinzelte Berichte über Akkudefekte nach wenigen Monaten und über einen Kundenservice, der Betroffene zwischen Händler und Hersteller hin- und hergeschickt hat.
Für wen der Dreame nichts ist
- Für jemanden, dem perfekt ausgesaugte Ecken wichtiger sind als alles andere — dafür fehlt genau das Bauteil.
- Für Wohnungen voller bodentiefer Spiegel und Glaswände.
- Für Haushalte mit Jute- oder Bambusteppichen.
- Für jemanden in einer Hartwasser-Region, der weiß, dass er das Entkalken nicht durchhalten wird.
- Für jemanden, der mit Technik fremdelt und bei einem Software-Fehler keine Lust hat, im Router etwas umzustellen.
Für wen er sich lohnt
- Haustierbesitzer und Haushalte mit langen Haaren — dafür ist er gebaut.
- Wohnungen mit flachen Möbeln, unter die sonst nichts kommt.
- Gemischte Böden, wenn man keine Lust auf zwei Geräte hat.
- Alle, denen Hygiene beim Wischen wichtig ist: die Mopps werden heiß gewaschen und getrocknet, statt feucht in der Station zu liegen.
- Smart-Home-Nutzer: der Matter-Standard wird unterstützt, eine lokale Einbindung ist möglich.
Ist die fehlende Seitenbürste ein Grund, nicht zu kaufen?
Ehrlich beantwortet: nur, wenn man vorher das Standardmodell kannte. Die Tester haben recht, dass der Hersteller hier etwas weggenommen und es nicht an die große Glocke gehängt hat. Das darf man kritisch sehen. Aber das ist ein Vergleich zwischen zwei Geräten derselben Reihe.
Der Vergleich, der im echten Leben stattfindet, ist der zwischen diesem Roboter und einem Fußboden, den bisher niemand gesaugt hat. In diesem Vergleich gewinnt der Dreame so deutlich, dass fast dreitausend Käufer bei vier von fünf Sternen gelandet sind.
Die Sonderausgabe ist nicht das bessere Gerät als das Standardmodell. Sie ist das andere Gerät: mehr Saugkraft, mehr Hygiene, flacher gebaut, dafür schwächer in der Ecke. Wer viel Teppich und viele Haare hat, fährt mit der Sonderausgabe besser. Wer eine Altbauwohnung mit vielen Ecken und Kanten hat, sollte zum Standardmodell greifen.
